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Das nächste Gautschfest der Torgauer Verlagsgesellschaft ist für das Jahr 2015 geplant. Foto: Klaus Sahr Das nächste Gautschfest der Torgauer Verlagsgesellschaft ist für das Jahr 2015 geplant. Foto: Klaus Sahr

Frei ist der Jünger Gutenbergs …

Auch wenn sich in unserer Branche die Technik rasend schnell entwickelt, besinnen wir uns hier des alten Brauchs des Gautschens, der auf die alte Tradition unseres Berufsstandes hinweist. Eigentlich stammt das Gautschen aus der Fachsprache der Papiermacher und bezeichnet das Herauspressen von Wasser aus den Papierbahnen. Seit Jahrhunderten jedoch wurde der Begriff für einen Brauch zweckentfremdet, der den Übergang von Lehrlingen in den Gesellstand markiert. Vorformen waren schon im Mittelalter sogenannte Despositionsspiele bzw. Postulatszeremonien.

Das Gautschen erfuhr über die Jahre eine gefestigte Position in der Ausbildung der Jünger Gutenbergs. Der Gautschbrief, der dem ehemaligen Lehrling und dem nun neuen Gesellen überreicht wurde,  hatte einstmals die gleiche Bedeutung wie das Lehrlingszeugnis.
Mit dem Gautschen werden den „Kornuten“ die Verfehlungen und schlechten Gewohnheiten der Lehrzeit abgewaschen. Dies geschieht in einem Zuber, in den sie unter Anleitung des Gautschmeisters durch die Packer getaucht werden.  
Mit dem Kommando des Gautschmeisters  „Packet an!“ greifen die Packer einen sich heftig wehrenden Kornuten, halten ihn – den Worten des Gautschmeisters lauschend – verharrend über dem Zuber und tauchen ihn auf Kommando ein.
Nach diesem befreienden Bad sind die ehemaligen Lehrlinge vollwertige Zunftmitglieder und bekommen ihren Gautschbrief ausgehändigt. Dieser Gautschbrief ist sozusagen ein „Ausweis auf Lebenszeit“ über die vollzogene Taufe als echter Jünger Gutenbergs. Kann der Brief auf Verlangen des Gautschmeisters nicht mehr vorgezeigt werden, kann nachgegautscht werden …
Dieser schöne Brauch, der unbedingt erhaltenswert ist, wird häufig mit der mittelalterlichen Kostümierung der Akteure vor zahlreichen Gästen und Zuschauern durchgeführt und ist für die Neu-Gesellen als Abschluss der Lehrzeit eine branchentypische Besonderheit. So erinnern wir uns immer wieder an die jahrhundertealte Traditionen in unserer Schwarzen Zunft – auch, wenn die technische Entwicklung atemberaubend ist.

Lutz Donath
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